Klimaabkommen scheitern, ökonomische Interessen setzen sich gegen Umweltschutz durch und wachsende geopolitische Unsicherheiten lassen den Multilateralismus an seine Grenzen stoßen. Wie kann eine wirksame globale Steuerung der ökologischen Krise dennoch gelingen?
Das Projekt ATHENA fragt nach der Entstehung und Entwicklung der Governance-Struktur des globalen Finanz- und Wirtschaftssystems, um daraus Rückschlüsse für den Umgang mit der ökologischen Krise zu ziehen. Trotz inhärenter Krisenhaftigkeit und internationaler Staatenanarchie hat sich im Finanz- und Wirtschaftssystem über viele Jahrzehnte eine relativ robuste, polyzentrische Governance-Struktur herausgebildet. ATHENA untersucht deshalb, unter welchen Bedingungen institutionelle Muster aus der Finanzmarktregulierung auf klimapolitische Governance übertragbar sind. Nicht als Blaupause, sondern als Lernquelle: Welche kollektiven Lernprozesse haben Institutionen wie Zentralbanken, internationale Aufsichtsbehörden oder Nachhaltigkeitsberichterstattung hervorgebracht – und welche dieser Mechanismen könnten die vergleichsweise schwach entwickelte globale Umwelt-Governance stärken?
Methodisch betritt das Projekt Neuland: Auf Basis eines Textkorpus von mehreren zehntausend Dokumenten – darunter akademische Literatur, staatliche Texte, Policy-Papiere und Presseberichterstattung – wird ein KI-gestütztes RAG-System (Retrieval Augmented Generation) aufgebaut. Dieses System rekonstruiert und vergleicht institutionelle Lernprozesse in beiden Politikfeldern. Das RAG ersetzt dabei nicht die interpretative Analyse, sondern verändert das Ausgangsmaterial: Anstelle einer begrenzten Textauswahl steht ein systematisch erschlossener Quellenkorpus zur Verfügung, der zentrale Muster der sozialen Evolution identifiziert und sie für die qualitative Auswertung durch die Forschenden aufbereitet. Auf diesem Wege werden Methoden der statistischen und hermeneutischen Textanalyse kombiniert.
Die Ergebnisse werden anschließend in einem “Decision Theatre” aufbereitet und veranschaulicht – eine transdisziplinäre Simulationstechnik, mit deren Hilfe Akteure aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gemeinsam auf Basis der Forschungsbefunde institutionelle Handlungsoptionen für eine nachhaltige Transformation erproben können.
Die Frage, welche institutionellen Architekturen eine nachhaltige Ko-Evolution von Gesellschaft und Erdsystem ermöglichen, ist auch für Beschäftigte, Betriebe und Interessenvertretungen von unmittelbarer Relevanz. ATHENA liefert wissenschaftlich fundierte Grundlagen dafür, wie Regulierungs- und Steuerungsmechanismen für nachhaltiges Arbeiten und Wirtschaften entwickelt und in der politischen Praxis verankert werden können.

