„zurecht.blog ist ein neuer Debattenraum“

Zwei Männer im Gespräch auf einer Holzbank vor einer Betonwand, lächelnd und gestikulierend.

Hallo Ernesto, hallo Andreas, herzlichen Glückwunsch zum Launch des neuen zurecht.blog. Ihr beide seid zwei der Initiator:innen des Blogs, Ernesto als wissenschaftlicher Direktor des HSI und Andreas als Professor bei uns. Warum fandet ihr, dass es Zeit für ein neues rechtswissenschaftliches Online-Medium ist?

Ernesto Klengel: Wie so oft stand am Anfang eine gewisse Unzufriedenheit: Das Arbeitsrecht und das Sozialrecht bestimmen das Leben vieler Menschen. Das Arbeitsrecht regelt, was am Arbeitsplatz gilt – für Viele immerhin acht Stunden am Tag. Das Sozialrecht regelt den Zugang zu lebenswichtigen Ressourcen und sichert uns ab, ganz besonders in Situationen wie Krankheit, Pflegebedürftigkeit oder Arbeitslosigkeit. Nun zu unserer Unzufriedenheit: Debatten um diese zentralen juristischen Fragen knüpfen häufig nicht an den Erfahrungen der Beschäftigten und der Menschen im Leistungsbezug an. Wir wollen ein rechtswissenschaftliches Forum für Debattenbeiträge schaffen, die genau das einbringen.

Andreas Engelmann: Als Online-Medium soll der zurecht.blog das Arbeits- und Sozialrecht verständlich machen, damit wichtige Entwicklungen besser eingeordnet werden können. Dabei wollen wir fachliche Tiefe mit klaren Standpunkten verbinden. Der Blog soll informieren, aber auch zum Nachdenken anregen. Damit zielen wir auf den rechtswissenschaftlichen Fachdiskurs, aber auch auf interessierte Journalist:innen ebenso wie Lai:innen, die mit der Anwendung der Gesetze konfrontiert sind.

Wie wollt ihr es schaffen, diese unterschiedlichen Gruppen zusammenzubringen?

Andreas: Für uns sind wissenschaftliche Präzision und Verständlichkeit kein Widerspruch. Nachvollziehbarkeit ist immerhin ein wissenschaftlicher Güteanspruch. Auf zurecht.blog sollen Erklärungen und Analysen zu Rechtsentwicklungen erscheinen, die für Beschäftigte und Menschen im Leistungsbezug einen echten Unterschied machen. Und die Beiträge sollen eine hohe rechtswissenschaftliche Qualität haben. Das stellen wir durch eine fachlich hochqualifizierte Redaktion und einen wissenschaftlichen Beirat sicher.

Ernesto: Die Beiträge sollen Zugänge zu aktuellen Debatten eröffnen, die wichtige Aspekte des Lebens regeln. Wir wollen dabei also ganz bewusst auch Menschen mitnehmen, die etwa mit rechtwissenschaftlichen Fachbegriffen noch nicht so viel anfangen können. Für uns war deshalb schnell klar, dass die Beiträge auf dem zurecht.blog auch in einfacher Sprache verfügbar sein sollen.

Die Formulierung „fachliche Tiefe mit klaren Standpunkten“ finde ich spannend. Könnt ihr erklären, was das für den Blog heißt?

Andreas: Wenn man in Diskussionen zum Kern der Probleme durchdringt, grundlegend wird, ergibt sich von selbst eine gewisse Relevanz, Spannung oder Radikalität. Das kann interessant sein, wenn es intellektuell aufrichtig ist und nicht ideologisch. Dafür wollen wir einen Raum schaffen. Das Arbeits- und Sozialrecht ist durchzogen von Interessen, auch solchen, die miteinander in Konflikt stehen. Hier mehr Klarheit zu erzeugen, wäre schon ein großer Erfolg.

Ernesto: Mit dem Blog wollen wir aufzeigen, dass rechtliche Regelungen Relevanz für die persönliche Lebensführung, aber auch das Zusammenleben haben. Ein Mittel dafür ist es, Perspektiven und Standpunkte zu beziehen. Viele Dinge werden doch erst in einer offenen Debatten richtig klar! Das heißt auch, dass wir Platz für Widersprüche und Einwände schaffen. zurecht.blog ist ein neuer Debattenraum, in dem rechtspolitische Argumente entwickelt und ausgetauscht werden können.

Wenn wir von Debatte sprechen: Wer ist denn noch am Blog beteiligt?

Ernesto: Die Initiative des Blogs geht auf die University of Labour und das Hugo Sinzheimer Institut (HSI) der Hans-Böckler-Stiftung zurück, die auch die Grundfinanzierung sicherstellt. Redaktionell getragen wird zurecht.blog zudem von juristisch und journalistisch qualifizierten Rechtswissenschaftler:innen. Beteiligt sind auch Fachleute von der Fachzeitschrift Arbeit und Recht, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, der DGB-Rechtsschutz GmbH und dem Bund-Verlag. Außerdem können wir auf die Unterstützung und die Erfahrungen des Netzwerk Sozialrechts und des Blogs zum Reformentwurf für ein modernes Betriebsverfassungsgesetz zurückgreifen. Wir sind zu guter Letzt auch sehr stolz darauf, dass wir zahlreiche exzellente Rechtswissenschaftler:innen für unseren Beirat gewinnen konnten.

Andreas: Als Debattenraum lebt zurecht.blog letztlich natürlich davon, dass sich viele Personen an der Debatte beteiligen. Der Blog ist deshalb auch eine Einladung an rechtswissenschaftliche Kolleg:innen, Expert:innen aus der Praxis und rechtspolitisch interessierte Menschen: Wir wollen einen Ort des intellektuellen Streitens erzeugen und keine Friedhofsruhe der Einstimmigkeit.