Hallo Ramona, du hast zusammen mit Kolleg:innen einen digitalen Kurs zum Wissenschaftlichen Arbeiten entwickelt. Wie kam es dazu?
Ramona Buske: In unseren Bachelorstudiengängen hat sich gezeigt, dass die Inhalte aus dem Modul Wissenschaftliches Arbeiten für die Studierenden besonders wichtig für das Studium und die individuelle Weiterentwicklung sind. Gerade auch für unsere berufstätigen Studierenden, für die die letzten formalen Lernerfahrungen meist schon eine Weile her sind, und unsere Studierenden ohne Abitur ist die Einführung in das akademische Arbeiten besonders wertvoll.
Wissenschaftlich zu arbeiten und zu schreiben ist eine Umstellung. Es unterscheidet sich sehr von unserem Alltagsdenken. Viele unserer Studierenden bringen aber relevante Vorerfahrungen und Kenntnisse mit. Beispielweise sind unsere Studierenden aus der betrieblichen Interessenvertretung mit dem Lesen von Berichten und Stellungnahmen sowie dem Formulieren von Berichten und sogar der Auswertung von Umfragen oft schon vertraut.
Und was soll der Kurs dazu leisten?
Der digitale Kurs hat mehrere Ziele: Er soll den Studierenden der Bachelorstudiengänge als Möglichkeit zur Verfügung stehen, auch im weiteren Studienverlauf Inhalte selbstständig zu wiederholen und bei Bedarf zu vertiefen. Wissenschaftliches Schreiben lernt man stärker über den Studienverlauf, nicht nur begrenzt in einem Modul. Gerade in der Phase, wenn die Studierenden dabei sind, eigene Arbeiten zu verfassen, kann gezielte Wiederholung sinnvoll sein. Hierfür stärkt der Kurs das eigenverantwortliche Lernen. Außerdem bietet der Kurs unseren Studierenden in den Hochschulzertifikaten die Möglichkeit, sich in eigenem Tempo und zeitlich flexibel mit dem Thema wissenschaftliches Arbeiten vertraut zu machen.
In den Zertifikaten gibt es in der Regel kein Modul hierzu …
Genau, das Vorwissen unserer Zertifikatsstudis ist hier auch sehr unterschiedlich. Da eignet sich ein digitaler Kurs perfekt, der je nach Vorwissen absolviert werden kann. Der Kurs ist aber auch für unsere Masterstudierenden relevant: Bei ihnen liegt das Bachelorstudium in der Regel etwas weiter zurück, eine Auffrischung kann hier hilfreich sein. Oder es wurde in einem technischen Studiengang absolviert, dann sind die speziellen Kenntnisse wissenschaftlichen Arbeitens für den sozialwissenschaftlichen Bereich wichtig. Insgesamt bietet der Kurs all unseren Studierenden die Möglichkeit, die wichtigsten Grundlagen wissenschaftlichen Arbeitens immer dann noch einmal zu rekapitulieren, wenn sie sie konkret im Studium brauchen.
Wie erstellt man denn so einen digitalen Kurs?
Wir, das waren Hannah Zoller, Anne-Line Bodestedt und ich, haben unter Bezugnahme zum bisherigen Modul Wissenschaftliches Arbeiten geprüft, welche Lerninhalte erweitert, verändert oder aktualisiert werden müssen. Da das Selbstlernangebot ohne persönliche Anleitung oder Begleitung auskommen soll, mussten die Inhalte teils anders konzipiert und aufbereitet werden, zum Beispiel mit mehr eigenen Übungs- und Erprobungsphasen wie etwa Quizaufgaben zur Vertiefung. Zusätzlich soll die digitale Lehre ansprechend und abwechslungsreich sein, damit die Lernenden selbstständig und motiviert bei der Sache bleiben. Wir haben uns für eine Kombination aus Videos und Leseaufträgen entschieden. Die Videos wurden dann bei uns im hauseigenen Content-Studio produziert. Eine Herausforderung war, die produzierten Inhalte ansprechend, selbsterklärend und handhabbar in die Lernplattform zu integrieren, damit die Studierenden sich leicht durch den Kurs navigieren können.
Und wie sieht der Kurs dann konkret aus?
Der Kurs besteht aus drei inhaltlichen Einheiten: Im ersten Teil geht es um Grundlagen der Erkenntnistheorie und Wissenschaftstheorie als Basis. Der zweite Teil widmet sich Literaturarbeit und Zitieren. Und der dritte Teil zeigt, wie man konkret eine wissenschaftliche Arbeit anfertigt. Darin erlernen die Studierenden in welchen Schritten man vorgeht und wie eine wissenschaftliche Arbeit aufgebaut ist. Der Kurs unterstützt von der Themenfindung, über die Gliederung bis zum Verfassen der Einleitung. Insgesamt dauert der Kurs knapp 20 Stunden. Auch einzelne Kapitel des Kurses können als Wiederholung, Vertiefung oder Auffrischung genutzt werden.
Habt ihr weitere digitale Kurse in Planung?
Insgesamt nehmen Formen der digitalen Lehre bei uns zu. In den Selbstlernphasen einiger Module gibt es schon jetzt digitale Selbstlernmöglichkeiten, also zum Beispiel Übungsaufgaben und Quizze, mit denen die Studierenden ihr Wissen überprüfen und ihren Leistungsstand einschätzen können. Es sind auch weitere Lehrvideos geplant, die neben anderen Formaten die gezielte Vor- oder Nachbereitung unterstützen. Mit dem ersten volldigitalen Kurs sind wir aber einen großen Schritt weitergekommen. Wissenschaftliches Arbeiten ist ein Fundament der gesamten akademischen Ausbildung. Entsprechend den Bedarfen unserer Studierenden können wir die Angebote auch erweitern. Vorstellbar wären zum Beispiel ein digitaler Vorkurs Mathematik im Bachelor BWL oder ein fachübergreifendes Angebot zum Thema Selbstmanagement. Aber auch in den fachwissenschaftlichen Modulen sind digitale Kurseinheiten denkbar. Ein umfassender Kurs zum Thema Künstliche Intelligenz entsteht bei uns gerade im Projekt MOOC4Mitbestimmung.