„Psychologie ist wichtig für die Mitbestimmung“

Nicole Deci lächelt in die Kamera, im Hintergrund ist die Holzwand im Foyer der University of Labour erkennbar.

Hallo Nicole, willkommen an der UoL! Die wichtigste Frage zuerst: Wie hast du dich bisher bei uns eingelebt?

Sehr gut! Es hat mich gefreut, dass ich schon so viele Kolleg:innen kennenlernen konnte.

Als unsere Arbeitspsychologin: Warum braucht es eine psychologische Perspektive auf Arbeit?

Wir Psycholog:innen schauen uns die Arbeitnehmer:innen im Einzelnen an: Wo liegen Probleme in den Arbeitsbedingungen, wo kann man Stellschrauben drehen? Psychologie spielt dabei genauso eine Rolle wie Betriebswirtschaftslehre oder Arbeitsrecht. Nur durch die Zusammenwirkung der einzelnen Bereiche erhält man ein ganzheitliches Bild von guter Arbeit.

Und was kann Psychologie zu dem Bild beitragen?

Das kann sehr vielschichtig sein. Aktuell stehen viele Arbeitnehmer:innen vor Herausforderungen durch veränderte Arbeitsbedingungen. So führt beispielsweise die Digitalisierung dazu, dass sich viele Beschäftigte fragen, wie ihre Arbeit in ein paar Jahren aussehen wird. Diese Sorgen müssen erst einmal analysiert werden, um sie daraufhin angehen zu können. Diese Rolle kann Psychologie im Arbeitskontext übernehmen.

Womit hast du dich in den letzten Jahren in deiner Forschung beschäftigt?

In den letzten Jahren habe ich mich hauptsächlich damit auseinandergesetzt, wie sich Arbeitsbedingungen auf das Verhalten und die Gesundheit Beschäftigter auswirken. Ich hatte in dieser Zeit sowohl mit der Arbeitgeber:innen-, als auch mit der Arbeitnehmer:innenseite zu tun. Besonders auf Seite der Beschäftigten scheint die Sorge vor veränderten Arbeitsbedingungen besonders hoch zu sein.

Wie bist du dabei vorgegangen?

Für die Forschung sind wir beispielsweise in die Betriebe gegangen und haben mit den Beschäftigten Gespräche geführt. Dabei ging es unter anderem darum, wie die Beschäftigten ihre Arbeit beurteilen: Welche Sorgen haben sie, an welchen Stellen sehen sie Verbesserungsbedarf?

Diese Befragungen können übrigens von verschiedenen Gruppen, extern wie intern, durchgeführt werden. Das ist besonders für Betriebsräte wichtig, wer bei ihnen in den Betrieben das übernimmt.

Du bist bei uns natürlich auch in der Lehre tätig. Worauf können sich unsere Studis freuen?

Jeder Einzelne darf sich darauf freuen, dass sehr individuell auf alle Bedarfe eingegangen wird. Wir werden grundsätzlich sehr anwendungsorientiert arbeiten. Natürlich darf auch der theoretische Überbau nicht fehlen. Damit legen wir sozusagen die wissenschaftliche Fundierung. Und gleichzeitig wird es stets auf die einzelnen Beispiele angewendet, die Studierende aus ihren Betrieben mit ins Seminar bringen. Also die ideale Mischung aus Theorie und Praxis.

Was hat dich ursprünglich motiviert, Psychologie zu studieren?

Ich sage immer, dass ich Psychologie studiert habe, weil ich den leisen Menschen eine Stimme geben möchte. Betriebsräte können dabei genau diese Rolle übernehmen, in dem sie sich für gute Arbeitsbedingungen einsetzen. Psychologie ist eine wichtige Komponente der Mitbestimmung.

Was ist dein erstes Projekt bei uns?

Aktuell entwickle ich ein Zertifikat, bei dem es um Prävention und Arbeitsschutz gehen soll. Darin möchte ich mit den Studierenden erarbeiten, inwieweit diese Themen bereits in ihrem Betrieb umgesetzt werden und an welchen Stellen noch Nachholbedarf herrscht.
Dabei ist auch stets wichtig, wie man sich einbringen kann, um festgestellte Probleme anzugehen und nachhaltig zu verändern.

Letzte Frage: Warum hast du dich für die University of Labour entschieden?

Ich habe schon immer gerne interdisziplinär gearbeitet. Meiner Meinung nach kann man Arbeit nur verstehen, wenn man ganzheitlich denkt. Und genau diesen Ansatz habe ich bei der UoL direkt erkannt

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Beteiligte Person

Prof. Dr. Nicole Deci